EXTRARAUM für jeden Studierenden in Aachen

14.11.2011
ExtraRaum Plakat

Die Zahlen sprechen für sich: Allein an der RWTH schrieben sich statt der rund 6.200 Studierenden (WS 2010/11) nunmehr 8.183 Studierende ein; die FH verzeichnet anstelle von 2.000 (WS 2010/11) mehr als 2.600 Erstsemester. Dieser Ansturm übertraf alle Erwartungen und bringt den studentischen Wohnraum an seine Grenzen. Und dies, obwohl die doppelten Abturjahrgänge in Nordrhein-Westfalen erst 2013/14 auf die Hochschulen zukommen. Angesichts dieser Zahlen wird eine ordnungsgemäße Lehre eine wahre Herausforderung, die Unterbringung der Studierenden ein logistisches Problem.

  ExtraRaum Plakat

Die Stadt Aachen, die FH und die RWTH Aachen haben sich in einer konzertierten Aktion als erste in Nordrhein-Westfalen schon im vergangenen Jahr dazu verständigt, diese Herausforderungen anzunehmen. „Jeder Studierende ist herzlich willkommen und soll ein erfolgreiches Studium absolvieren können“, lautet die gemeinsame Botschaft. Um dies umsetzen zu können, wurde ein umfangreicher Maßnahmenkatalog zusammengestellt und teilweise auch schon umgesetzt. Von personeller Verstärkung über räumliche Erweiterung bis hin zu einer Informations-Kampagne EXTRARAUM der FH-Designstudierenden unter Leitung von Professor Christoph M. Scheller reicht der Aktionsplan.

Aufruf an die Bürgerinnen und Bürger, studentischen Wohnraum zur Verfügung zu stellen

Um Bürgerinnen und Bürger von Stadt und Region über das Beratungsangebot oder die benötigten Wohnraumlösungen zu informieren, startet am 15. November die Informationskampagne EXTRARAUM. Beworben wird in der ersten Phase die neue Internetseite www.extraraum-aachen.de, die alle Informationen für Wohnraumanbieter und -suchende bereithält – inklusive einer Wohnbörse, organisiert von den ASten der beiden Hochschulen.

Bei der Konzeption und Gestaltung der Maßnahmen haben FH-Studierende aus den Bereichen Design und Wirtschaftswissenschaften drastische Bildmotive in Szene gesetzt, die im wahrsten Sinne des Wortes den „drohenden Engpass“ plakativ und überspitzt verdeutlichen. Eingezwängt in die Plakatformate zeigen die Studierenden, wie eng es auf dem Aachener Wohnungsmarkt werden kann.

Mit dem Slogan „STUDENTEN-LEBEN IN AACHEN“ weisen die Kampagnenmacher im doppelten Sinne einerseits die Bürgerschaft auf Aachen als liebens- und lebenswerte Studenten-Stadt hin. Andererseits zeigt man den Studierwilligen und Studierenden mit dem EXTRARAUM-Angebot, dass die Stadt, ihre Hochschulen und ihre Einwohner gerne das entsprechende Umfeld für ein erfolgreiches Studium bieten.

Die Vorzüge dieses Umfeldes werden in weiteren Kampagnen-Phasen den Studierenden und potenziellen Studienbewerbern vermittelt – von den zusätzlichen Lehrangeboten für die zukünftigen Studienanfänger bis hin zur hohen Kneipendichte in der beliebten Pontstraße.

Jede unterstützende Initiative ist willkommen. Unternehmen, die temporären Wohnraum anbieten wollen, stehen FH-Studierende der Bereiche Design und Architektur zur Seite, um schnell und unkompliziert ein passendes Konzept zu entwickeln. Für speziell angedachte Maßnahmen, wie den „mobilen EXTRARAUM“, suchen die Initiatoren noch Sponsoren. Hierbei soll der Aachener Bevölkerung mit studentischen EXTRA-Kulturangeboten auch etwas für ihre Unterstützung zurückgegeben werden – Konzerte, Theateraufführungen und Vorträge im mobilen EXTRARAUM, der quer durch die Stadt ziehen soll.

Ziel der Kampagne ist es, rechtzeitig alle Bürgerinnen und Bürger zu informieren und zu mobilisieren, damit studentischer Wohnraum auch zukünftig in ausreichendem Maße zur Verfügung steht.

Maßnahmen der Stadt Aachen

Die aktuellen Entwicklungen zeigen, wie schnell auch die seriösesten Prognosen mitunter von der Realität überholt werden. Deshalb ruht die Stadt Aachen sich auch nicht darauf aus, dass – bisherigen Erfahrungen folgend – vermutlich nur 40 bis 45 Prozent der Studierenden tatsächlich Wohnraum beanspruchen werden. Sicher ist: Der Aachener Wohnungsmarkt wird in den kommenden Jahren mit einem Zuwachs an Studierenden konfrontiert werden, der an die 80er und 90er Jahre denken lässt (RWTH-Höchststand im WS 1991/2: 37.276 Studierende, WS 2011/12: 35.813 Studierende). Die Stadt Aachen hat denn auch unter Federführung der Hochschulbeauftragten Elke Ariëns ein umfangreiches Maßnahmenpaket aufgelegt, um diesen Zulauf zu bewältigen.

Für alle Fragen zum Thema Wohnen und Bauen für Studierende wurden in der Aachener Verwaltung Lotsen in den entsprechenden Fachbereichen eingerichtet:

Lotse Bauen: Stefan Schmidt, Fachbereich Stadtentwicklung, stefan.schmidt@mail.aachen.de, Tel.: 0241 / 432-6142

Lotse Wohnen: Werner Kirch, Fachbereich Wohnen, werner.kirch@mail.aachen.de, Tel.: 0241 / 432-6423

In den vergangenen Monaten fanden mehrere Informationsveranstaltungen zum Thema „Doppelter Abiturjahrgang“ statt. Die Stadt Aachen hat Hauseigentümer, Vermieter und Immobilienmakler über die voraussichtlichen Entwicklungen informiert und zur Unterstützung aufgerufen. Aktuellen Schätzungen zufolge wird in den kommenden zwei Jahren alleine durch Neubauprojekte privater Investoren, aber auch des Studentenwerks Wohnraum für rund 1.500 Studierende geschaffen werden, so zum Beispiel in der Roermonder-, Schenkendorf- oder der Sandkaulstraße. Weitere Gespräche mit Investoren und Eigentümern laufen.

Eine Prüfung des Stadtgebietes in Hinblick auf die Umnutzung leerstehender Bürogebäude oder ungenutzter Flächen durch die städtische Wirtschaftsförderung hat bereits zu zahlreichen Gesprächen mit Eigentümern und Projektentwicklern geführt. Für den Fall des „Worst Case“ wird die Möglichkeit der temporären Aufstellung von Wohncontainern ebenso untersucht wie sonstige temporäre Unterbringungsmöglichkeiten (Schulen, Ferienanlagen etc.).

Neben der zentralen Website www.extraraum-aachen.de ist zum Wintersemester 2012 dann auch erstmals eine zentrale Beratungsstelle für wohnungssuchende Studierende geplant.

Doch trotz all dieser Bemühungen: Die Stadt Aachen wird diese Herausforderung aller Voraussicht nach nicht alleine bewältigen können. Deshalb fanden in den letzten Monaten zahlreiche Gespräche mit den benachbarten Kommunen statt – einschließlich der Gemeinden auf belgischer und niederländischer Seite; zahlreiche Nachbarstädte haben bereits ihre Unterstützung signalisiert, vor allem Vaals und die Parkstad Limburg zeigen hier großes Interesse und Engagement. Die Tatsache, dass Anfragen junger Leute bei der Grenzgängerberatung in den letzten Wochen deutlich gestiegen sind, zeigt die steigende Akzeptanz, ins benachbarte Ausland zu ziehen.

Maßnahmen der RWTH Aachen

Die RWTH Aachen hat schon im Sommer 2010 ein G8-Projektteam gegründet, das die zahlreichen Vorbereitungsmaßnahmen zur Schaffung von zusätzlichen Studienplätzen steuert. Daher ist die Hochschule zuversichtlich, bestens vorbereitet zu sein, und freut sich auf die zukünftigen Studierenden.

Die RWTH Aachen erhält im Zuge der Vereinbarungen zum Hochschulpakt II mit der Laufzeit von 2011 bis 2015 insgesamt 181 Millionen Euro. Über 50 Prozent dieser Mittel werden für Personal verausgabt. Die übrigen Mittel werden vor allem in Baumaßnahmen und Geräte investiert. Darüber hinaus werden rund 17 Millionen Euro für den Wegfall der Wehrpflicht vom Land erwartet. Insgesamt werden rund 400 neue Stellen geschaffen, davon 18 Professuren.

Die intensivsten Aktivitäten erfolgen derzeit im Baubereich:

• Die Bauarbeiten für den Neubau des Hörsaalzentrums Professor-Pirlet-Straße laufen (Bezug WS 2012/13).

• Der Baubeginn des Hörsaalzentrums Claßenstraße soll noch in diesem Jahr erfolgen (Fertigstellung Oktober 2013).

• Die Ausschreibungsverfahren für ein neues Seminargebäude auf dem Parkplatz hinter dem Reiff-Gebäude sowie für das Chemiepraktikum Melatener Straße laufen (Fertigstellung 2013).

• Ebenfalls werden diverse Büroflächen für das zusätzliche Personal angebietet bzw. saniert (Anmietung Physik ab 2013).

• Nach Ankauf eines Gebäudes im RWTH-Kernbereich stehen zusätzliche Lern- und Seminarräume zur Verfügung (Bezug Mitte 2013) Weitere Lernräume werden auch aus dem Bestand der Hochschule geschaffen. Schon jetzt ist das Untergeschoss im SuperC als Lernraum ausgewiesen. Darüber hinaus werden bis zur Fertigstellung der zahlreichen Bauprojekte Kinosäle im CineKarree und im Apollo ab Sommersemester 2011 als Zwischenlösung angemietet.

Insgesamt werden durch Bauprojekte 8.400 Quadratmeter Nutzfläche zusätzlich für den Lehr- und Lernbetrieb geschaffen. Aber nicht nur durch Sanierungen und Neubauten wird sich die RWTH Aachen auf die Zukunft vorbereiten, sondern auch durch die Optimierung der Studienorganisation. Dies umfasst eine effizientere Gestaltung der Lehr- und Prüfungsorganisation und auch der Hörsaalvergabe.

Ferner wird das Übergangsmanagement von Schule zu Universität in der zentralen Studienberatung mit neuen Veranstaltungsformaten wie etwa dem ErstInfoTag erweitert. Es erfolgt eine noch frühere Ansprache der Studieninteressierten bereits ab der 9. Jahrgangsstufe. Alle bestehenden Schulprojekte werden in einer neu eingerichteten Schulprojektstelle gebündelt und qualitativ gesteuert. Innerhalb des eigentlichen Beratungsgeschäftes werden vermehrt Gruppenberatungen angeboten, in die auch Eltern einbezogen werden. Letztlich erfolgt eine intensivere Begleitung der Studienanfänger in der Studieneingangsphase. Wichtig in diesem Zusammenhang sind auch die SelfAssessments, bei deren Entwicklung die RWTH Aachen federführend ist. Dieses Online-Tool unterstützt Studieninteressierte bei der Entscheidung für ein bestimmtes Studienfach. Dadurch möchte die Hochschule eine bewusstere Studienentscheidung fördern, um den zukünftigen Studierenden eine passende und erfolgreiche Ausbildung anbieten zu können.

Maßnahmen der FH Aachen

Die FH Aachen hat derzeit mehr als 10.300 Studierende. Es wird erwartet, dass diese Zahl in den nächsten Jahren weiter steigt - wegen der Aussetzung der Wehrpflicht und der doppelten Abiturjahrgänge, aber vor allem auch wegen der stetigen Verbesserung des Studienangebots, der Schaffung neuer Studiengänge und des guten Rufs, den das Studium an der FH Aachen genießt. In der Spitze könnten in den Jahren 2013 und 2014 bis zu 3.000 Studierende zusätzlich an die Hochschule kommen. Die FH hat ihr Studienangebot bereits in den letzten Jahren ausgebaut, auch dank der erfolgreichen Teilnahme am NRW-Ausbauprogramm im Jahr 2009 und der daraus resultierenden Schaffung von 500 flächenbezogenen Studienplätzen. Für die nächsten Jahre ist die Schaffung weiterer bedarfsorientierter Studiengänge geplant.

Die FH Aachen will ihren Studierenden bestmögliche Studienbedingungen bieten. Zwischen 2007 und 2013 werden an den Standorten Aachen und Jülich 150 Millionen Euro für neue Gebäude oder für die Sanierung bestehender Gebäude investiert. So entstehen ein neues Hörsaalgebäude am Standort Eupener Straße und das Kompetenzzentrum Mobilität an der Hohenstaufenallee. Das bestehende Gebäude an der Bayernallee wird derzeit saniert, zusätzlich wird dort ein zentrales Verwaltungsgebäude gebaut, in dem alle Service- und Verwaltungseinrichtungen der Hochschule Platz finden werden. Ein weiterer wichtiger Baustein für die Hochschulentwicklung ist die Verbesserung von Studium und Lehre. Dafür erhält die FH Aachen 4,3 Millionen Euro aus dem Qualitätspakt Lehre der Bundesregierung. Das Konzept basiert auf drei Schwerpunkten: Die Hälfte des Fördervolumens wird für die Verbesserung der Studierfähigkeit und Studierendenintegration eingesetzt, indem neue Stellen für Fachstudienbetreuer, wissenschaftliche Mitarbeiter, Lehrbeauftragte und Tutoren geschaffen werden. Zweitens wird die Qualität der Lehre nachhaltig durch Personalentwicklung verbessert. Gleichzeitig wird die Qualität der einzelnen Lehrveranstaltungen evaluiert und bewertet. Als dritte Maßnahme werden Stellen in der Verwaltung geschaffen.

 

Externe Links