Uniklinik RWTH Aachen ist Koordinator eines Verbundprojektes im neuen bundesweiten Forschungsnetz zu psychischen Erkrankungen

17.02.2014
Urheberrecht: Uniklinik RWTH Aachen

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation leiden weltweit mehr als eine Milliarde Menschen an psychischen und neurologischen Erkrankungen. Die Lebensqualität dieser Patientinnen und Patienten ist erheblich beeinträchtigt. Die Erkrankungen verursachen zudem enorme Kosten im Gesundheitssystem. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert deshalb ab Sommer 2014 ein neues Forschungsnetz zu psychischen Erkrankungen. Zu den neun ausgewählten Verbundprojekten, die heute in Berlin von Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka vorgestellt wurden, gehört das Forschungsnetz "APIC - Antipsychotika-induzierte strukturelle und funktionelle Gehirnveränderungen“ das von der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Uniklinik RWTH Aachen koordiniert wird.

Kontakt

Frank Schneider

Name

Frank Schneider

Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Telefon

work
+49 241 80 89633

E-Mail

E-Mail
 

Nicht nur die Krankheit, sondern auch die medikamentöse oder psychotherapeutische Behandlungen beeinflussen die Gehirnstruktur

„Funktionelle und strukturelle Veränderungen des Gehirns werden bislang meist als Ursache oder Konsequenz einer psychischen Erkrankung betrachtet. Es gibt jedoch Hinweise, dass auch die medikamentöse oder psychotherapeutische Behandlung selbst einen erheblichen Einfluss auf die Struktur des Gehirns hat“, berichtet Prof. Dr. Dr. Frank Schneider, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik und APIC-Koordinator.

Der neue Forschungsverbund, an dem neben der Uniklinik RWTH Aachen auch die Universität Köln, die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und das Forschungszentrum Jülich beteiligt sind, wird dieser Fragestellung schwerpunktmäßig am Beispiel der Schizophrenie nachgehen. „Schizophrenie ist eine gravierende psychische Erkrankung, die häufig lange mit Medikamenten therapiert wird“, berichtet Frank Schneider.

Im Rahmen von APIC werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer groß angelegten klinischen Studie die Hirnveränderungen, zum Beispiel im Hippocampus, mit Hilfe moderner bildgebender Verfahren bei verschiedenen Medikamenten untersuchen. Zudem sollen die Modifizierungen im Gehirn und der Therapieerfolg bei verschiedenen Therapieformen verglichen werden: Während der zwölfmonatigen Studie erhält ein Teil der über 600 Patientinnen und Patienten die Medikamente dauerhaft, ein anderer Teil dagegen lediglich bedarfsgesteuert.

Innovatives Neurofeedback: Gezieltes Hirntraining soll Symptome lindern

In einem weiteren APIC-Teilprojekt werden die Schizophrenie-Erkrankten nicht medikamentös, sondern mit einer innovativen Therapie mittels Neurofeedback behandelt. Schizophrenie-Erkrankte leiden häufig unter Halluzinationen wie Stimmen hören oder Wahnvorstellungen. Mit Hilfe eines gezielten und angeleiteten Trainings im Magnetresonanztomographen lernen die Patientinnen und Patienten, die Prozesse im Gehirn, die Stimmen produzieren, selbst gezielt zu regulieren.

APIC wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund vier Millionen Euro unterstützt